Nordlichter sehen: Die besten Orte, die beste Reisezeit und Tipps

Foto "Nordlichter in Nordland, Norwegen" © stein egil liland, pexels.com
Es gibt Naturerlebnisse, die man nicht einfach abhaken kann. Nordlichter gehören definitiv dazu. Wenn grüne, manchmal violette oder rötliche Lichtschleier über den dunklen Nachthimmel ziehen, wird selbst eine eisige Winternacht zum besonderen Urlaubsmoment. Doch wo stehen die Chancen auf Nordlichter besonders gut? Wann ist die beste Reisezeit und was kannst du tun, damit aus einer Reise in den hohen Norden tatsächlich ein Aurora-Erlebnis wird?
Was sind Nordlichter und wie entstehen sie eigentlich?
Nordlichter, wissenschaftlich Aurora Borealis genannt, entstehen durch Wechselwirkungen zwischen geladenen Teilchen des Sonnenwinds und dem Magnetfeld sowie der Atmosphäre der Erde. Dabei treffen die Teilchen in großer Höhe auf Sauerstoff- und Stickstoffatome und bringen diese zum Leuchten. Meist erscheinen Nordlichter in unterschiedlichen Grüntönen. Je nach Höhe und beteiligten Gasen können aber auch rote, violette oder bläuliche Farbtöne entstehen. Das Faszinierende: Die Aurora ist grundsätzlich das ganze Jahr über vorhanden. Im Sommer bekommt man sie in den nördlichen Regionen allerdings wegen der hellen Nächte kaum zu sehen. Entscheidend ist deshalb nicht nur die Aktivität der Sonne, sondern vor allem Dunkelheit und ein möglichst wolkenfreier Himmel.
Gut zu wissen: Nordlichter lassen sich nicht garantieren. Auch bei hoher Sonnenaktivität müssen Wetter, Dunkelheit und Standort mitspielen.
Wo kann man Nordlichter am besten sehen?
Die besten Reiseziele liegen rund um das sogenannte Polarlichtoval. Dieser Bereich zieht sich rund um den magnetischen Nordpol und umfasst unter anderem Teile Norwegens, Schwedens, Finnlands und Islands. Auch in Alaska, Kanada und Grönland sind die Chancen sehr gut. Für eine Nordlichtreise in Europa sind vor allem vier Regionen interessant.
Norwegen: Tromsø, Lofoten und Nordkap
Nordnorwegen zählt zu den Klassikern für Polarlichtreisen. Besonders Tromsø ist beliebt, weil die Stadt gut erreichbar ist und gleichzeitig zahlreiche Möglichkeiten für Ausflüge in dunklere Regionen bietet. Auch die Lofoten, Alta und das Nordkap sind hervorragende Ausgangspunkte. Die Kombination aus Bergen, Fjorden, Meer und Nordlichtern macht Norwegen dabei zu einem besonders spektakulären Reiseziel. Wer zum ersten Mal Nordlichter erleben möchte und Wert auf eine gute touristische Infrastruktur legt, findet in Nordnorwegen eine sehr gute Mischung aus Naturerlebnis und Komfort.
Schweden: Abisko und Kiruna
Nordschweden ist ebenfalls ein hervorragendes Ziel für eine Reise zu den Nordlichtern. Besonders Abisko und Kiruna liegen in der schwedischen Provinz Norrbottens län sowie der historischen Provinz Lappland im hohen Norden weit nördlich des Polarkreises. Abisko ist unter Nordlichtfans bekannt, weil die Region häufig mit guten Bedingungen für die Beobachtung verbunden wird. Kiruna wiederum eignet sich gut als Ausgangspunkt für weitere Erlebnisse in der arktischen Landschaft. Ein besonderes Erlebnis ist eine Übernachtung im berühmten Icehotel bei Jukkasjärvi. Mit etwas Glück lässt sich das Polarlicht sogar direkt in der Umgebung beobachten.

Foto „Polarlichter in Luleå, Norrbottens län, Schweden“ © Franz Müller, pexels.com
Finnland: Lappland und Rovaniemi
Finnisch-Lappland verbindet Nordlichter mit verschneiten Landschaften, Rentieren, Saunen und typisch skandinavischer Gemütlichkeit. Zu den beliebten Ausgangspunkten gehören Rovaniemi, Levi, Saariselkä und Inari. Je weiter man sich von künstlichen Lichtquellen entfernt, desto besser sind die Bedingungen für die Beobachtung. Besonders interessant: In Lappland sind Nordlichter während der Saison an zahlreichen klaren Nächten zu beobachten. Visit Finland nennt für Nordfinnland rund 200 Nächte pro Jahr, an denen das Phänomen grundsätzlich sichtbar sein kann.

Foto „Polarlicht erhellt Nachthimmel über Landschaft in Rovaniemi, Finnland.“ © Fatih Turan, pexels.com
Island: Nordlichter vor spektakulärer Naturkulisse
Island bietet einen entscheidenden Vorteil: Selbst wenn das Polarlicht ausbleibt, wird die Reise nicht langweilig. Vulkane, Wasserfälle, Gletscher, schwarze Strände und heiße Quellen machen die Insel zu einem außergewöhnlichen Reiseziel. Für die Nordlichtsuche lohnt es sich, Reykjavik und andere größere Orte hinter sich zu lassen und Gegenden mit möglichst wenig Lichtverschmutzung anzusteuern. Die Nordlichtsaison reicht in Island grob von September bis März beziehungsweise April.

Foto „Polarlichter am Godafoss Wasserfall, Island“ © tawatchai07, magnific.com
Wann ist die beste Reisezeit für Nordlichter?
Die klassische Nordlichtsaison reicht in vielen nördlichen Regionen ungefähr von Ende August beziehungsweise September bis März oder Anfang April. Entscheidend ist, dass die Nächte ausreichend dunkel sind. Der Winter ist deshalb nicht automatisch die einzige oder beste Wahl.
September und Oktober: milder und oft unterschätzt
Ab Ende August kehren in Lappland die dunklen Nächte zurück. Im September und Oktober sind die Temperaturen häufig noch angenehmer als mitten im Winter. Zudem gehören Herbst und Frühjahr in einigen Regionen zu den Phasen mit besonders aktiver Aurora. Finnland nennt insbesondere September und Oktober sowie Februar und März als starke Zeiträume. Wer also Nordlichter sehen möchte, aber nicht unbedingt wochenlang bei tiefen Minusgraden unterwegs sein will, sollte den Herbst in Betracht ziehen.
November bis Januar: Wintermärchen und lange Nächte
Der Winter bietet genau das Bild, das viele mit einer Nordlichtreise verbinden: verschneite Wälder, zugefrorene Seen, Schlittenhunde und tiefdunkle Nächte. Im hohen Norden sind die Nächte rund um Dezember und Januar besonders lang. Das verlängert das mögliche Beobachtungsfenster. Gleichzeitig können Kälte, Wolken und winterliches Wetter die Reise anspruchsvoller machen.
Februar und März: hervorragende Kombination
Februar und März sind für viele Reisende ein besonders interessanter Kompromiss. Die Landschaft ist meist noch tief verschneit, die Tage werden aber wieder länger. Gleichzeitig sind die Nächte weiterhin dunkel genug für Nordlichtbeobachtungen. In Finnland gelten Februar und März als besonders gute Monate.
Welche Bedingungen braucht man für Nordlichter?
Eine Reise in den hohen Norden allein reicht nicht. Ob du tatsächlich etwas am Himmel siehst, hängt von mehreren Faktoren ab.
Dunkelheit: Das klingt selbstverständlich, ist aber entscheidend: Nordlichter können zwar auch bei schwächerer Aktivität auftreten, bei hellem Himmel sind sie jedoch nicht sichtbar. Deshalb eignen sich die dunklen Monate von September bis März beziehungsweise Anfang April besonders gut.
Klarer Himmel: Ein starker Sonnensturm bringt wenig, wenn eine dicke Wolkendecke den Himmel verdeckt.
Der wichtigste Tipp: Prüfe immer sowohl die Nordlicht- als auch die Wettervorhersage. Ein klarer Himmel ist für die Beobachtung genauso wichtig wie ausreichende Aurora-Aktivität.
Wenig Lichtverschmutzung: Straßenlaternen, Hotels, Städte und beleuchtete Gebäude machen schwächere Nordlichter schwer erkennbar. Deshalb lohnt es sich, für die Beobachtung einige Kilometer aus der Stadt herauszufahren. Noch besser sind abgelegene Landschaften mit freiem Blick auf den Himmel.
Sonnenaktivität und KP-Index: Der sogenannte KP-Index beschreibt die geomagnetische Aktivität und reicht von 0 bis 9. Je höher der Wert, desto weiter südlich können Nordlichter sichtbar werden. Für Orte weit im Norden braucht es allerdings nicht zwingend einen extrem hohen KP-Wert. In Nordlappland können Nordlichter beispielsweise auch bei niedrigen Werten sichtbar sein. Der KP-Index sollte deshalb nicht als alleinige Entscheidungsgrundlage für eine Reise dienen.
Wie erhöht man die Chance auf Nordlichter?
Eine Garantie gibt es nicht. Mit ein paar einfachen Entscheidungen lässt sich die Wahrscheinlichkeit eines erfolgreichen Erlebnisses aber deutlich verbessern.
Mehrere Nächte einplanen: Wer nur eine Nacht für die Nordlichtsuche einplant, macht sich unnötig abhängig vom Wetter. Besser sind mehrere Nächte am Zielort. So kann eine bewölkte Nacht durch einen klaren Himmel am nächsten Abend ausgeglichen werden.
Nicht nur auf einen Ort verlassen: Eine geführte Nordlichttour kann sinnvoll sein. Gute Anbieter beobachten Wetter und Aurora-Aktivität und fahren bei Bedarf dorthin, wo die Bedingungen besser sind. Das ist vor allem in Regionen mit wechselhaftem Wetter ein Vorteil.
Raus aus der Stadt: Ein heller Stadthimmel kann selbst starke Farben deutlich schwächer erscheinen lassen. Schon eine kurze Fahrt in eine dunkle Umgebung kann einen großen Unterschied machen. Ideal sind offene Flächen, Seen, Küsten oder Anhöhen mit möglichst freier Sicht.
Geduld mitbringen: Nordlichter funktionieren nicht wie eine Show mit festem Beginn. Manchmal ist zunächst nur ein schwacher, graugrüner Schimmer zu erkennen. Wenig später kann daraus ein deutlich sichtbares Lichtspektakel werden. Wer nach zehn Minuten wieder ins Hotel geht, kann deshalb genau den Moment verpassen, auf den er gewartet hat.
Fazit: Nordlichter erleben braucht vor allem Geduld
Die perfekte Nordlichtreise beginnt nicht mit der Suche nach dem spektakulärsten Foto, sondern mit der richtigen Planung. Reise in der dunklen Jahreszeit möglichst weit nach Norden, vermeide Lichtverschmutzung und plane mehrere Nächte ein. Beobachte Wetter und Sonnenaktivität – und gib dem Naturphänomen die Zeit, die es braucht. Besonders gute Voraussetzungen bieten Nordnorwegen, Schwedisch-Lappland, Finnisch-Lappland und Island. Als Reisezeit kommen vor allem die Monate zwischen September und März infrage, wobei sich auch Ende August und Anfang April je nach Ziel noch lohnen können.
Am Ende bleibt aber eine kleine Unsicherheit – und genau sie macht den Moment so besonders: Du stehst in der Dunkelheit, blickst nach oben und wartest. Und irgendwann beginnt der Himmel zu leuchten.